Pressemitteilung des Sportbundes Pfalz

Rund ums Rhönrad - zum 50. Todestag von Otto Feick

13.10.2009 13:03 von A. Kaufmann

Infos am 17.10. im Rahmen der Ausstellung „Höhenflug und harte Landung“ in Kaiserslautern

Am 17. Oktober jährt sich der Todestag von Otto Feick, dem Erfinder des Rhönrads, zum 50. Mal. Grund genug für den Verein „Pfälzische Sportgeschichte“, mit einer kleinen Sonderveranstaltung rund ums Rhönrad an den Pfälzer Feick zu erinnern. Dies geschieht im Rahmen der Ausstellung „Höhenflug und harte Landung“ im Kaiserslauterer Theodor-Zink-Museum, die noch bis zum 08. November zu besichtigen ist.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung steht ein Vortrag von dem bundesweit als „Rhönrad-Sammler“ bekannten Gerd Häßel aus Reichenbach-Steegen. Er hat seit vielen Jahren ein privates Rhönrad-Archiv aufgebaut und gilt als profunder Kenner der Geschichte des in den 20er und 30er Jahren sich zu äußerster Popularität aufschwingenden Turngeräts. Gezeigt wird darüber hinaus eine kleine Sonderausstellung sowie Filmausschnitte, die die Geschichte und Entwicklung des Rhönrads dokumentieren.

Die Veranstaltung „Rund ums Rhönrad“ findet am 17. Oktober um 11.00 Uhr in der Scheune des Theodor-Zink-Museums statt. Der Besuch ist kostenfrei. Um telefonische Anmeldung wird gebeten bis 16.10. beim Sportbund Pfalz unter T 0631. 34112-36.

 

Das Foto zeigt Otto Feick im Rhönrad, aufgenommen im Jahr 1933. Es kann kostenfrei unter Nennung „Archiv Gerd Häßel“ veröffentlicht werden:
091013_Otto_Feick_1933.jpg (410KB)

 

Kurze Geschichte des Rhönrads

Mit der Bezeichnung „Reifen-, Turn- und Sportgerät“ wurde es 1925 in Schönau an der Brend in der bayerischen Rhön zum Patent angemeldet. Als „Rhönrad“ erlangte das damals völlig neuartige Sportgerät dann innerhalb von zwei Jahrzehnten Weltruhm. Erfinder war ein Pfälzer: Otto Feick, geboren am 04. Juli 1890 in Reichenbach (Landkreis Kaiserslautern) als Sohn eines Schmiedes. Am 17. Oktober jährt sich sein Todestag zum 50. Mal.

Otto Feick war wohl schon im Kindesalter mit einem Prototyp die Hänge in Reichenbach-Steegen hinunter gerollt. Er verband anfangs einfach zwei Fassreifen mit Querstäben. Von 1920-1922 hat Feick das Rad in Ludwigshafen dann weiterentwickelt und hier die Erfindung schließlich auch vollendet. Ort des Geschehens war das Gelände des heutigen VSK (Verein für Sport- und Körperpflege Volksgesundheit) Germania Ludwigshafen-Niederfeld. 1919 wurde der Verein als Volksgesundheit e. V. Ludwigshafen mit Otto Feick als Vorsitzendem gegründet. Hier wurde auch das erste Foto des Turnrades 1922 aufgenommen.

Feick arbeitete seit 1914 in Ludwigshafen als Lokschlosser im Bahnbetriebswerk. Er schloss sich dem Süddeutschen Eisenbahner-Verband an (Vorläufer der Eisenbahner Gewerkschaft). Bald avancierte er zum Sprecher der Eisenbahner und sorgte dafür, dass die primitiven sanitären Verhältnisse und die sozialen Leistungen seiner Kollegen besser wurden. Im Mai 1923 wurde Otto Feick von den französischen Besatzungsmächten aus Ludwigshafen ausgewiesen.

Feick kündigte bei der Eisenbahn und zog mit seiner Frau in deren Heimat Schönau an der Brend in der Rhön. Dort eröffnete er eine Werkstatt für Metallverarbeitung. Das Turnrad meldete er zum Patent an und gab ihm den Namen seiner neuen Heimat. Aufgrund seiner Verbindungen zur Eisenbahn-Gewerkschaft waren es in erster Linie Eisenbahn Sportvereine, die das neue Turngerät ausprobierten. Aber auch die Hochschule für Leibesübungen in Berlin nahm sich der neuen Sportart an. Zahlreiche sportmedizinische Gutachten stellten die besten Zeugnisse aus. Eine Erfolgsgeschichte begann.

Erfolg im Ausland und Propaganda-Sportgerät

Feick entwickelte noch andere Modelle des Rhönrades. Ein etwas schmäleres Rad nannte er „Exzelsior“. Damit konnte man elegante Spiralübungen vornehmen. Eine Kombiversion wurde mit den Modellen „Dreia“ (für drei Personen) und „Globus“ (für fünf Personen) entwickelt und patentiert. Diese Geräte sahen aus wie eine Kugel.

Um sein Turnrad in aller Welt bekannt zu machen, unternahm Feick etliche In- und Auslandsreisen mit einer eigens zusammengestellten Turntruppe. Auf einer Erfinder- und Neuheitenmesse 1926 im Ebertpark in Ludwigshafen wurde das Rhönrad in seiner Heimatregion gezeigt. Auf allen großen Varietebühnen der Welt war man nun stolz, diese neue Turnart im Programm zu haben.

Zu Hause in der Rhönwerkstätte wurden nach und nach über 20.000 Räder gefertigt und in alle Länder versandt. In über 20 Ländern wurde das Rhönrad ebenfalls patentiert. Auch die Nationalsozialisten fanden großen Gefallen an den Darbietungen und Feick musste für viele Großveranstaltungen Vorführungen organisieren, auch für ein Fest im Vorfeld der Olympischen Spiele 1936 in Berlin. Feick selbst ließ sich politisch jedoch nicht von den Nazis beeinflussen. Sein Rad aber litt nach dem Krieg noch lange Zeit unter dem Makel, ein „nationalsozialistisches Demonstrationsobjekt“ gewesen zu sein.

Erst 1958 durften die Räder bei einem deutschen Turnfest am Rande mitrollen. Als danach keine Klagen kamen, erfolgte 1959 die offizielle Aufnahme in den Dachverband aller deutschen Turnaktivitäten und 1960 fanden in Hannover die ersten Deutschen Meisterschaften im Rhönradturnen statt. Otto Feick selbst konnte den zweiten Erfolg seiner Erfindung leider nicht mehr erleben. Unter anderem gebrochen durch den Verlust des einzigen Sohnes in russischer Gefangenschaft und eigene körperliche Gebrechen, starb er am 17. Oktober 1959 verarmt in seiner Rhönwerkstätte.

Sein Turnrad ist bis heute unverändert geblieben, lediglich statt des Farbanstriches gibt es jetzt eine Kunststoffbeschichtung. Völlig verändert hat sich die Art des Turnens im, am oder mit dem Rhönrad. Von den einstigen statischen Elementen, als höchstens mal ein Bein oder Arm gehoben wurde, ist nichts geblieben. Auch das monotone Hin- und Herrollen ist akrobatischen Künsten mit vielen Elementen vom Barren- oder Reckturnen gewichen.

 

Kontakt:
Sportbund Pfalz
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